"Berliner Tagebuch"
nach Christopher Isherwoods "Leb wohl Berlin"
Willkommen! Bienvenue! Welcome!
Berlin, zu Beginn der 30er Jahre: In den letzten Ausläufern der Roaring Twenties tummeln sich lauter gestrandete Existenzen: mäßig begabte Nachtklubsängerinnen, einsame Eintänzer, Alleinunterhalter, professionelle Kunstjodlerinnen und mittendrin der erfolglose Schriftsteller Christopher auf der Suche nach Geschichten. Während der Nationalsozialismus bereits seine Schatten vorauswirft, wird in einer aus den Fugen geratenen Welt noch einmal gefeiert, gesungen, geliebt und verlassen. Nach Motiven von Christopher Isherwoods "Leb wohl, Berlin", das auch die Vorlage für den Film "Cabaret" lieferte.
Die Geschichte um Sally Bowles und den Schriftsteller Chris ist bei ELFEN IM PARK keine glamouröse. Es ist eine Berliner Hinterhofgeschichte. Mit Schnauze, mit Herz, ein bisschen abgetakelt. Das Bajazzo Zelt im Sternenschanzenpark bietet dafür eine adäquate Kulisse. Der Alleinunterhalter, der auf seiner Orgel die Lieder aus "Cabaret" spielt, lässt unter der Zeltkuppel noch den längst vergangenen Glanz einer anderen Zeit erahnen, während der Wind durch die Ritzen pfeift und die nahe gelegene S-Bahn den urbanen Soundtrack liefert.
Innerhalb ihres Mikrokosmos am Nollendorf Platz sind alle Figuren ein Stück weit Helden, doch der Zuschauer ahnt, Sally wird keine große Karriere machen, Frl. Schroeder, die Pensionswirtin hat ihre besten Zeiten hinter sich, Otto bleibt alleine zurück, während Ernst und Fritzi Mayer einer neuen politischen Vision folgen, und Wendel, der jüdische Conferencier der Troika Bar, der im Laufe des Stücks sang- und klanglos verschwunden ist, ist vermutlich eben dieser neuen politischen Vision zum Opfer gefallen. Sicher ist Eines: Alle diese Figuren wären vergessen, hätte der damals noch unbekannte Schriftsteller Chris nicht später ein Buch geschrieben: "Leb wohl, Berlin".
es spielen:
Gabriele Erler (Frl. Schröder), Rainer Haring (Otto), Saskia Junggeburth(Sally Bowles), Jose Montana (Wendel),
Jörg Oswald (Ernst), Michael Ruschainski (Chris Isherwood), Marion G. Schmitz (Frl. Meyer)
und dem Universum Duo
Textfassung: Saskia Junggeburth, Sonja Vogt
Musikalische Leitung: Uwe Frenzel
Regie: Elfen im Park